CULTURESCAPES - Kulturlandschaften - verweisen auf Regionen, die durch eine gemeinsame Geschichte, durch eine gemeinsame Kultur geprägt sind. Sie entstehen aus Wechselwirkungen zwischen natürlichen, geographischen Gegebenheiten und den daraus resultierenden kulturellen Eigenarten eines Gebiets. CULTURESCAPES beruhen auf dem Vorhandensein gemeinsamer Traditionen, Riten, Brauchtümer, die  sich durch aktuelle Bedürfnisse und Lebensumstände einer Region herausgebildet haben und in das gemeinsame Kultur- und Gedankengut übergegangen sind. Der Begriff des kulturellen Gedächtnisses wird demnach zu einer unumgänglichen Konstante, will man von CULTURESCAPES sprechen.

2003 zum ersten Mal als Festival in Basel initiiert, ist CULTURESCAPES zu einer festen Institution in der Basler und Schweizer Kulturlandschaft geworden. Jenseits politischer Grenzen widerspiegelt es jährlich die Vielfalt und Eigentümlichkeit heterogener Kulturlandschaften und umreisst deren Kunst- und Kulturszene. Gleichzeitig hinterfragt CULTURESCAPES das Fremde und Eigene und bietet Raum für Diskussion und Austausch zwischen dem Hier und dem Dort.

Wurden anfangs vor allem Länder aus Osteuropa vorgestellt - 2003 Georgien, 2004 die Ukraine, 2005 Armenien, 2006 Estland, 2007 Rumänien - wagt sich CULTURESCAPES seit seiner Ausgabe Türkei 2008 zunehmend in den asiatischen Raum vor. Nach Aserbaidschan 2009 ist die Festivalleitung bereits mit den Vorbereitungen der Sonderausgabe CHINA 2010 beschäftigt.

Verschiedenste Gruppen und EinzelkünstlerInnen des jeweiligen Landes treten im Rahmen von CULTURESCAPES auf. Ihre Arbeiten reflektieren nicht nur die landestypische Kultur, sondern gewähren ebenso einen Einblick in das zeitgenössische Kunstschaffen unabhängig einer Nationenzugehörigkeit oder gezogener Landesgrenzen. Ziel ist es, die Sinne für das Differente zu öffnen und damit die Grundlage für verschiedene Formen der Annährung und des Dialogs zu bereiten. CULTURESCAPES ist ein Versuch, dem Defizit an Erfahrungen mit anderen Kulturen, insbesondere mit den uns nahe stehenden osteuropäischen, mittels eines reichen und differenzierten Programms entgegenzuwirken. Mit Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Theater, Literatur, Kunst und Film lotet CULTURESCAPES jenseits sprachlicher Barrieren die Bandbreite gegenwärtiger künstlerischer Inszenierungsformen aus und versucht, seinem Publikum einen größtmöglichen Einblick in fremde Kulturen zu ermöglichen. Darüber hinaus tragen Symposien und Vortragsreihen zu einer intensiveren, dialogistischen Auseinandersetzung mit dem Anderen bei. Vertrautes und Fremdes, Vergangenes und Gegenwärtiges, Künstlerisches und Politisches treten somit in ein fruchtbares Wechselverhältnis des künstlerischen Austauschs.

Träger des Festivals unter der Geschäftsleitung von Jurriaan Cooiman ist die CULTURESCAPES Stiftung (i. Gr.), Basel. Obwohl das Festival keine eigenen Räumlichkeiten besitzt, kann es dank der intensiven und inspirierenden Zusammenarbeit mit Partnerstrukturen des Schweizer Kulturlebens auf ein Netzwerk an Spielstätten in der Gesamtschweiz zurückgreifen und somit Kantone übergreifend agieren und existieren. Seit Neuerem bestehen auch partnerschaftliche Beziehungen über die Landesgrenzen hinaus.

Die kontinuierliche Förderung und Unterstützung durch die Schweizer Partner aus dem Politik- und Kulturbereich ermöglichen es dem CULTURESCAPES-Team unbekannte Kulturen einem größtmöglichen Publikum zugänglich zu machen.

Culturescapes

Interview mit Jurriaan Cooiman Direktor CULTURESCAPES (9. März 2009)

Die Wortkomposition CULTURESCAPES bedeutet übersetzt Kulturlandschaften. Was sind Kulturlandschaften für dich?

Jurriaan Cooiman: Kulturlandschaften entstehen aus einer Wechselwirkung zwischen dem, was man auf der natürlichen, geographischen Seite einer Landschaft vorfindet und der Art und Weise, wie die Menschen damit umgegangen sind, um für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können.

Die natürliche Landschaft und die geographische Lage prägen die Bewohner, welche gezwungen sind, sich den äusseren Gegebenheiten anzupassen: die Lebensweisen differenzieren sich aus, die Mittel zur Lebensgestaltung. Dadurch verliert die physische Landschaft an Dominanz. Ihren Platz nimmt ein gemeinsames Geschichtsbewusstsein ein. Aus der Geschichte resultierend entwickeln sich dann gemeinsame Lebensarten und Verhaltensmuster, Traditionen - man könnte auch sagen: ein kulturelles Gedächtnis. Kulturlandschaften beschreiben also nicht nur geographische Gegebenheiten, sondern werden gleichermassen zu einer inneren Angelegenheit der Menschen dieser Region.
 

In welchen Spannungsfeldern bewegt sich CULTURESCAPES?

Ein Spannungsfeld ist das Verhältnis zwischen der offiziellen Kulturvertretung und der freien Szene der jeweiligen Länder. Diese Wechselwirkung gilt es immer wieder neu auszuloten.

Ein anderes Spannungsfeld ist dasjenige der inhaltlichen Schlüssigkeit und der vermittelbaren Grösse. Wir streben nach einer konsistenten inhaltlichen Verschränkung in einer „verdaubaren" Grösse. Das Festival könnte sich ohne weiteres stetig vergrössern. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Es geht nicht um pure Eventkultur, die zum Ziel hat, eine Halle zu füllen. Vielmehr stellt sich die Frage, ab wann CULTURESCAPES als Festival innerhalb einer Gesellschaft klar wahrnehmbar ist? Daran tasten wir uns an. Ob wir das schon erreicht haben, weiss ich nicht. Was Basel betrifft, so denke ich, sind wir da auf einem guten Weg.

Ebenso stellt sich immer wieder die Frage nach der wirtschaftlichen Rentabilität von CULTURESCAPES, wie es für viele Projekte im Kulturbereich gilt. Was ist finanzierbar, realisierbar? Und dann natürlich das Spannungsfeld zwischen Eigeninteresse und Zeit- bzw. allgemeinem Interesse. Komm ich dem nah oder ist die Programmgestaltung noch zu persönlich?

Das Gespräch wurde geführt von Yaël Debelle.

Das Interview mit Jurriaan Cooiman in voller Länge (9. März 2009)