THEMATISCHE SCHWERPUNKTE CULTURESCAPES POLEN 2019  

CULTURESCAPES Polen ist ein Versuch, die Kulturlandschaft des Gastlandes geographisch und historisch abzubilden, die der Kartierung des Landes ähnelt. Da im Herzen der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts der Schlüssel zum Selbstverständnis des Landes liegt, können Strassen als Symbole für Verbindung und Kommunikation, als infrastrukturelles Rückgrat von Freiheit und Demokratie, auch Schlüssel zur Programmgestaltung von CULTURESCAPES Polen werden. 

Polen wird durchzogen von drei grossen Autobahnen: die A1 – die Bernstein Autobahn – verläuft von Nord nach Süd durch das zentrale Polen, von der Ostsee bis zur polnisch-tschechischen Grenze; die A2 – Autobahn der Freiheit – führt nach Westen und verbindet Warschau mit Frankfurt, und die A4 – die immer noch keinen Namen hat – verläuft in Südpolen und verbindet die polnisch-deutsche Grenze mit der polnisch-ukrainischen Grenze.  

Daraus ergeben sich drei thematische Hauptlinien: Religion, Protest und Erinnerung. 

RELIGION: NEUE SPIRITUALITÄT

Polen ist ein überwiegend mono-ethnisches Land mit einem Bevölkerungsanteil von über 85%, die sich selbst als katholisch bezeichnen. Die Präsenz sowie die politische und soziale Rolle der Kirche ist überwältigend. In den letzten Jahren hat sie die konservative Wende des Landes aktiv unterstützt. Doch genau diese Dominanz löste in den Jahren von 1990 bis Anfang 2000 eine offen kritische, sozial engagierte, antireligiöse Welle in der polnischen Kunst aus. Heutzutage kann man eine ‹neuen Spiritualität› beobachten: Viele Künstler_innen, die den religiösen Druck der Mehrheit und ihre restriktiven Normen ablehnen, untersuchen die Grenzen des menschlichen Daseins, vertiefen sich in die Feinheiten der menschlichen Seele und streben nach Möglichkeiten unterschiedlicher, freier und fliessender sozialer Strukturen. 

PROTEST: NEUE FREIHEITSKÄMPFE

Während das Land stolz die führende Rolle in den Freiheitskämpfen in Osteuropa behauptet, die lange vor dem Fall der Berliner Mauer stattfanden, verursachen die jüngsten Verschiebungen in Richtung eines neokonservativen politischen und sozialen Klimas beträchtliche Kritik sowie Unruhen mit verschiedenen sozialen Gruppen.  

Eine Gesetzesvorlage brachte diese Unruhe auf die Strasse und bildete eine starke öffentliche Bewegung – den Czarny Protest (deutsch: ‹Schwarzer Protest›). Diese öffentliche Bewegung gegen eine Gesetzesvorlage, um die ohnehin sehr restriktive Anti-Abtreibungsgesetzgebung zu verschärfen, zählt zu den grössten Protestbewegungen in der Geschichte Polens. Obwohl sich die öffentliche Agenda der Schwarzen Proteste derzeit auf das Abtreibungsgesetz konzentriert, ist die Unterstützungsbasis der Bewegung nicht auf Frauen beschränkt. Diese Proteste schaffen es, Menschen aus verschiedenen marginalisierten oder diskriminierten Gruppen wie LGBT oder Künstler_innen und Intellektuelle zusammen zu bringen und werden so zum Symbol (und Schirm) der Freiheitskämpfe in Polen. 

ERINNERUNG: GESCHICHTE NEU GEDACHT

Nach dem Fall der Berliner Mauer stand die polnische Gesellschaft wie alle anderen mittel- und osteuropäischen Nachbarländer vor einem Dilemma, sowohl mit der kommunistischen Vergangenheit als auch mit der Geschichte im Allgemeinen umzugehen.  

Die Erinnerungspolitik in Polen ist ein Minenfeld: Das polnische Kulturleben ist reich an historischen Bezügen, seinen Falten, Lücken und Fallen. Die Verbindung zu der in der Sowjetzeit verweigerten und verbotenen Geschichte trifft auf zeitgemässe Erinnerungspolitik mit ihrer neuen Zensur. Damit rücken die historischen Fakten an die Spitze der polnischen und der gesamten europäischen Agenda. 

Pius Knüsel
Stiftungsratspräsident

Geboren 1957 in Cham, Zug. Studium der Germanistik, der Philosophie und der Literaturkritik an der Universität Zürich.

Als freier Journalist war er 1981 Mitbegründer der Innerschweizer Wochenzeitung ‹Die Region›. Von 1986 bis 1992 als Kulturredaktor und Nachrichtenjournalist beim Schweizer Fernsehen tätig und von 1992 bis 1997 Programmleiter des Jazz Clubs Moods und Mitglied des Direktoriums des Europe Jazz Networks. 1996 wurde er Programmchef des Jazznojazz-Festivals in Zürich und von 1998 bis 2002 leitete Pius das Kultursponsoring der Credit Suisse.

Im Jahr 2000 war er an der Gründung des Forums Kultur und Ökonomie beteiligt. Von 2002 bis 2012 fungierte Pius als Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und ist seither Direktor der Volkshochschule Zürich. Sporadische Lehrtätigkeit in Kulturmanagement und Kulturpolitik u.a. an diversen Universitäten und Fachhochschulen.

Pius ist ausserdem Vorsitzender des Beirates der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Mitglied des Beirates von Ruhr.Kultur, sowie Stiftungsrat von Mummenschanz.

Christian Hörack
Vize-Stiftungsratspräsident

Dr. phil. (Kunsthistoriker)

Geboren 1975 in Mannheim, lebt seit 2002 in der Schweiz.

Kurator Edelmetall und Keramik Neuzeit am Schweizerischen Nationalmuseum sowie Mitarbeiter und Programmgestalter am Neuen Kino Basel.

Vorher Arbeit an Museen in Neuchâtel, Basel, Lausanne, Strassburg, Wien und Lille. Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Lausanne, Wien, Lille und Heidelberg.

Dr. André Baltensperger
Stiftungsrat

Geboren 1950 in Basel

Promovierter Musikwissenschaftler und Ökonom, war von 2001 bis 2012 Rektor der Musik Akademie Basel sowie Delegierter der Musikhochschulen in der Direktion der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Zuvor als Betriebswirtschaftler in der Druckbranche tätig, später wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Paul Sacher-Stiftung in Basel und während zehn Jahren Generalsekretär der Konferenz der Kantonregierungen in Bern sowie Direktor der CH-Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit in Solothurn; zudem Mandate im Musik- und Kulturbereich.

Seine Arbeitsschwerpunkte sind, neben Bundesstaats- und Föderalismusfragen, die Musik des 20. Jahrhunderts, Choral, Tropen und Sequenzen im Hochmittelalter sowie die Musikgeschichte der Renaissancezeit. Er promovierte 1987 über den französisch-griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Daneben hat er eine Ausbildung in Klavier, Cembalo und Gesang. Er ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und lebt in Riehen bei Basel.

Christoph Keller
Stiftungsrat

Geboren 1959 in Zürich.

Freischaffender Reporter, Autor, Moderator und Initiant der Plattform www.podcastlab.ch.

Bis im Frühjahr 2019 leitete er die Redaktion Kunst & Gesellschaft von Radio SRF2 Kultur und war Autor vieler Sendungen in den Formaten Kontext, Passage und Hörpunkt. Zuvor lange Jahre Reporter beim MAGAZIN von Tages-Anzeiger, Berner Zeitung und Basler Zeitung, Redakteur und Reporter für die WochenZeitung WoZ gearbeitet und als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Nationalen Forschungsprogramm 51 zu Integration und Ausschluss. Heute schreibt er unter anderem auch für REPORTAGEN, für GEO, für EDITO und andere Publikationen.

Er ist Autor von «Der Schädelvermesser» (1995), «Alamor drei Tage» (2007), «Übers Meer» (2013) und «Hotel Galaxy» (2018). Ausserdem ist er als Lehrbeauftragter an der Zürcher Hochschule der Künste und als Dozent an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern tätig und arbeitet auch als Moderator an regionalen, nationalen und internationalen Veranstaltungen.

Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter, lebt in Basel und zeitweilig auf einem Segelschiff auf dem Neuenburgersee.

Annette Schönholzer
Stiftungsrätin

Seit über 20 Jahren lokal, national und international im kulturnahen Umfeld und Messebereich tätig. Arbeitserfahrung in den Bereichen Kulturförderung, als Projektleiterin grosser Veranstaltungen, als Co-Direktorin der internationalen Kunstmesse Art Basel, und als Managing Director des Kunstmuseums Basel. Sie ist Mitglied von Vorständen, Stiftungsräten und Jurys und hat in der Moderation und Entwicklung von zahlreichen Konzepten und Organisations-Prozessen mitgewirkt. 

2014 machte sie sich als Beraterin mit ihrer Firma .connect the dots selbständig. 

Wohnhaft in Basel, wo sie auch verheiratet ist. In ihrer Freizeit stehen Kultur und Natur an erster Stelle: Kunst, Musik, Literatur, Theater, Reisen in fremde Länder, aber auch Bewegung in den Bergen und in der näheren Umgebung von Basel sind Quellen der Inspiration.

Daniela Settelen-Trees
Stiftungsrätin

lic.phil.I

Geboren 1960 in Bern, lebt seit 1989 in Basel.

Studium der Kunstgeschichte in Bern, Basel und München.

Tätigkeit als Kunsthistorikerin in Museen, Galerien und Stiftungen.
2001- 2008 Leitung Ressort Kultur der Gesellschaft für das 
Gute und Gemeinnützige, GGG Basel.
Ab 2008 Leitung GGG Atelierhaus, Basel und diverse Mandate 
im Kulturmanagement unter anderem bei CULTURESCAPES.

Béatrice Speiser
Stiftungsrätin
Jurriaan Cooiman
Direktor

Geboren 1966 in den Niederlanden, lebt seit 1994 in der Schweiz.

Als Leiter von Performing Arts Services, einem Produktionsbüro für Theater- und Tanzproduktionen, Tourneeorganisation u.ä. arbeitete er u.a. mit dem Od-theater, Circle X Arts, Sankai Juku, der Werkbühne Berlin und dem Goetheanum zusammen.

Jurriaan Cooiman ist Initiator von CULTURESCAPES und hat mit Komponisten wie Gubaidulina, Kurtag, Firssowa, Hosokawa, Kancheli, Silvestrov und Lampson Festivals organisiert.

 Im September 2004 schloss er erfolgreich das Nachdiplomstudium Kulturmanagement an der Universität Basel ab.

Seit 2008 ist Jurriaan Cooiman Mitglied des europäischen Kulturparlaments.

Kateryna Botanova
Co-Kuratorin

Geboren 1976 in der Ukraine, arbeitet seit 2014 für CULTURESCAPES.

Sie ist Kulturkritikerin, Journalistin, Kuratorin und Politikanalytikerin, die sich auf Fragen der Kunst und Kultur als Agenten des Wandels in den Transformationsländern spezialisiert hat. Sie berät europäische Kulturinstitutionen in Kiew, darunter das Goethe-Institut und der British Council. Von 2010 bis 2015 war sie Direktorin des CSM / Stiftungszentrums für zeitgenössische Kunst in Kiew und von 2015 bis 2016 Ressortleiterin Kultur der Ukrainska-Prawda. Als Kulturkommentatorin schreibt sie für zahlreiche ukrainische sowie internationale Medien, beispelsweise für Fe Eurozine, NZZ, OpenDemocracy.

Für CULTURESCAPES kuratierte sie ‹TOKY(O)BSESSIONS› im Jahr 2014, ‹SENSIBLE NATURE› im Jahr 2015 sowie aktuell ‹Defeat of the Heroes›, ‹Evolution› und ‹Watermarks› (alle ab Oktober 2017).

Philine Erni
Leitung Kommunikation & Literatur

Geboren 1988 in Basel. Seit Mai 2015 für CULTURESCAPES tätig.

Studium der Europäischen Literaturen an der Humboldt Universität zu Berlin. 

Seit 2010 in Basel und Berlin in den Bereichen Kulturmanagement und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Seit 2016 ist sie beim Literaturfestival BuchBasel verantwortlich für die Festivalproduktion, Projekte und Kommunikation. Ausserdem arbeitet sie projekteweise bei der Mobilen Akademie Berlin oder beim Literaturarchiv Marbach.

Stefanie Fröhlich
Assistenz Produktion

Geboren 1987 in Salzburg. Seit Mai 2019 für CULTURESCAPES tätig.

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien.

Als Regie- und Dramaturgieassistentin war Stefanie Fröhlich am Schauspielhaus Salzburg, Burgtheater Wien und bei den Salzburger Festspielen tätig. Seit 2015 arbeitet sie im KUNST HAUS WIEN als Leiterin der Kunstvermittlung sowie als Marketingassistentin. Parallel dazu realisiert sie Kunstprojekte, u.a. zeichnete sie für die Dramaturgie bei der Uraufführung von "Monster zertrampeln Hochhäuser"  und bei  "Hin und Her“ im Rahmen des Viertelfestivals Niederösterreich verantwortlich.

Sabine Schuknecht
Leitung Produktion

Geboren 1986 in Dresden. Seit Februar 2019 für CULTURESCAPES tätig.

Studium des Sport-, Kultur- und Eventmanagements in Kufstein/Österreich. 

Diverse Anstellungen im Marketing- und Accountmanagement-Bereich bevor sie von 2015 bis Anfang 2019 im neuestheater.ch in Dornach in den Bereichen Produktion und PR tätig war. Während des Studiums war sie an verschiedenen Projekten im Bereich Kulturaustausch- und management beteiligt und absolvierte ein Praktikum im Eventmarketing.

Alexa Tepen
Leitung Kommunikation, Administration & Produktion Musik

Geboren 1976 in Schopfheim (Deutschland). Seit 2012 für CULTURESCAPES tätig.

Studium Internationales Kulturmanagement in Freiburg. Diverse Reisen nach Südamerika und Asien.

Von 2000 - 2009 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein für den Bereich Kommunikation & Events zuständig. Anschliessend Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Burghof Lörrach und für das STIMMEN-Festival.

Meret Vischer
Assistenz Kommunikation

Geboren 1991 in Basel. Seit August 2015 für CULTURESCAPES tätig.

Soziologie und Psychologie Studium an der University of Glasgow, Schottland, und an der University of New South Wales, Australien.

Verschiedene Anstellungen und selbstständige Projekte in den Bereichen Kultur, Nachhaltigkeit und Politik, u.a. Kampagne für ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Umweltplattform UP oder KlangBasel. Ausserdem ist sie Teil eines Kollektivs, das ein analoges Fotolabor betreibt.

Thomas Kohler
Technische Leitung

Geboren 1965 in Basel. Seit 2008 für CULTURESCAPES tätig.

Arbeit in der Kaserne Basel bis 2001. Danach selbständiger Veranstaltungstechniker für verschiedene Compagnien unter anderem Biennale Bern, Anna Huber Compagnie, Christoph Marthaler, technische Leitung Musikfestival Bern.

Newsletter abonnieren